Konstruktion von Kultur und dem Bild Japans zur späten Edo-Zeit

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Beschreibung des Lehrprojekts

Im Zentrum des Lehrprojekts stand die Frage, wie Vorstellungen von Kultur und Identität im Japan von der späten Edo-Zeit bis in die Meiji-Zeit unter den Bedingungen zunehmender globaler Kontakte formuliert und diskutiert wurden. Die Veranstaltung zielte darauf ab, zentrale ideengeschichtliche Strömungen dieser Umbruchsphase anhand ausgewählter Primärtexte zugänglich zu machen. Ein Schwerpunkt lag dabei auf Schriften von Vertretern der Kokugaku 国学 („Landesgelehrsamkeit“) sowie auf politischen und moralphilosophischen Texten Aizawa Seishisais aus dem Umfeld der Mitogaku 水戸学 („Mito-Gelehrsamkeit“). Ergänzend wurden auch visuelle und populäre Medien der Zeit, insbesondere Karikaturen und andere Druckerzeugnisse,  berücksichtigt, da sie wichtige Einblicke in zeitgenössische öffentliche Debatten und Selbstbeschreibungen Japans ermöglichen.

Der Aufbau des Seminars sah zunächst eine gemeinsame Erarbeitung zentraler Quellen vor. In dieser Phase wurden Texte gelesen, historisch eingeordnet und im Plenum diskutiert. Dabei arbeiteten die Studierenden teilweise direkt mit japanischen Originalpassagen und setzten sich mit deren argumentativer Struktur auseinander. In der zweiten Hälfte der Veranstaltung entwickelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Gruppen eigene Fragestellungen zu ausgewählten Themenkomplexen und bereiteten ihre Ergebnisse in Form von Posterpräsentationen auf.

Aus dieser Arbeit gingen vier thematische Poster hervor, die sich jeweils mit Kokugaku, Mitogaku, Karikaturen von der späten Edo-Zeit bis in die Meiji-Zeit sowie mit Nihonjinron 日本人論 (sogenannter „Japaner-Diskurse“) beschäftigen. Die Poster kombinierten historische Einordnung mit der Interpretation konkreter Textstellen – oft auch im japanischen Original. Aufbauend auf den Gruppenprojekten wurde außerdem gemeinsam eine übergreifende Präsentation erarbeitet, die am 13.02.2026 im Rahmen eines kleinen Symposiums vorgestellt wurde.

Inhaltlich sollte die Veranstaltung ein grundlegendes Verständnis wichtiger ideengeschichtlicher Entwicklungen dieser Epoche vermitteln und zugleich verdeutlichen, wie bestimmte Argumentationsmuster in späteren Deutungen Japans weiterwirken. Durch die intensive Arbeit mit Quellenmaterial sollten die Studierenden zudem lernen, historische Positionen eigenständig zu analysieren und ihre Ergebnisse in angemessener wissenschaftlicher Form darzustellen.

Die Resultate der Gruppenarbeiten zeigten, dass sich die Studierenden differenziert mit den behandelten Texten auseinandersetzen konnten. Besonders gewinnbringend erwies sich die Kombination aus ideengeschichtlicher Analyse und der Betrachtung visueller Medien. Die Präsentation der Ergebnisse im Rahmen des Symposiums bot zudem die Möglichkeit für die öffentliche Diskussion der Arbeiten.

Beschreibung des didaktischen Konzepts

Das Seminar wurde als Pflichtveranstaltung im Bachelorstudiengang Japanologie konzipiert und richtete sich vor allem an Studierende in den Semestern 3 und 5. Es sollte einen orientierenden Überblick über wichtige Denkströmungen Japans ab der späten Edo-Zeit bis in die Meiji-Zeit hinein geben und zugleich einen Einstieg in die fachwissenschaftliche Arbeit mit historischen Quellen ermöglichen. Ein weiteres Anliegen bestand darin, den Transfer zwischen Sprachunterricht und Fachstudium zu stärken, indem japanischsprachige Materialien in die inhaltliche Arbeit einbezogen wurden.

Darüber hinaus erfüllt das Proseminar im Studienverlauf eine grundlegende propädeutische Funktion. Für viele Studierende handelt es sich um die erste Lehrveranstaltung, in deren Rahmen eine wissenschaftliche Hausarbeit angefertigt wird. Entsprechend wurde neben der thematischen Beschäftigung mit historischen Diskursen auch Wert auf methodische Grundlagen gelegt, etwa auf die Strukturierung wissenschaftlicher Argumentationen, den Umgang mit Forschungsliteratur und die Entwicklung eines angemessenen schriftlichen Ausdrucks. Neben den Posterprojekten war daher auch ein kürzerer Essay Bestandteil der Studienleistung.

Die Lehrveranstaltung kombinierte verschiedene Arbeitsformen. Zu Beginn standen stärker strukturierte Sitzungen im Vordergrund, die der Einführung in historische Zusammenhänge sowie in zentrale Begriffe und Denktraditionen dienten. Im weiterenVerlauf verlagerte sich der Schwerpunkt auf eigenständige Gruppenarbeit, in deren Rahmen die Studierenden spezifische Themenbereiche vertieften und ihre Ergebnisse für die Posterpräsentationen aufbereiteten.

Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der praktischen Arbeit mit japanischsprachigen Texten. Im Seminar wurden wiederholt Strategien zur Erschließung solcher Quellen vermittelt, etwa zur Identifikation zentraler Begriffe oder zur Nachvollziehung komplexer Argumentationsgänge. Einzelne Passagen wurden gemeinsam analysiert, um exemplarisch zu zeigen, wie auch schwierigere Texte systematisch erschlossen werden können.

Ergänzend fand ein begleitendes Tutorium statt, das Raum für weiterführende Fragen zur Textarbeit sowie zu wissenschaftlichen Arbeitstechniken bot.

Eine Herausforderung ergab sich daraus, dass für einige Themen nur begrenzt aktuelle Forschungsliteratur in westlichen Sprachen verfügbar ist. Dadurch gewann die Arbeit mit japanischsprachigem Material zusätzliche Bedeutung, was insbesondere für Studierende der unteren Semester anspruchsvoll sein kann. Durch gemeinsame Analysen im Seminar und durch die Unterstützung im Tutorium konnten diese Schwierigkeiten jedoch weitgehend aufgefangen werden.

Insgesamt zielte das Lehrkonzept darauf ab, fachliche Inhalte, sprachpraktische Kompetenzen und grundlegende Methoden wissenschaftlichen Arbeitens miteinander zu verbinden. Auf diese Weise erhielten die Studierenden eine strukturierte Einführung in die eigenständige Analyse historischer Texte sowie erste Erfahrungen im akademischen Schreiben und Präsentieren.

Produkte
Mitogaku

Plakat besteht aus 2 Seiten

Karrikatur

Plakat besteht aus 3 Seiten

Kokugaku

Plakat besteht aus 3 Seiten

Nihonjinron

Plakat besteht aus 2 Seiten

Angaben zum Lehrprojekt
Weitere Beteiligte

Luca Ciani

Fach/Institut: Japanologie

Rolle: Veranstaltungsleitung

Jonas Mönicke

Fach/Institut: Japanologie

Rolle: Tutor*in

Prof. Michael Kinski

Fach/Institut: Japanologie

Rolle: Sonstiges

Sonstige Rolle: begleitender Professor

Teilnehmende Studierende