Geschlechterrollen: Konstruktion und Transformation seit dem 19. Jahrhundert

Fridolin Leiber: "Das Stufenalter der Frau", um 1900; Chromolithographie 41 X 50,5 CM Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Inventarnummer: HB19534
Beschreibung des Lehrprojekts

Gesellschaftliche Rollenbilder waren und sind stark vom Geschlecht geprägt. Zugleich sind diese Rollenbilder nicht statisch, sondern wandeln sich. Im Zentrum von weiblichen Rollenvorstellungen stand im 19. Jahrhundert Mutterschaft. Frauen wurden systematisch auf den privaten Raum von Haus und Familie, auf ihre Rolle als Ehefrau, Hausfrau, Mutter und Großmutter verwiesen und zugleich aus der Öffentlichkeit ausgeschlossen. Dies war mit einer Unterordnung unter den Mann verknüpft. Die Fähigkeit zur Mutterschaft wurde zum zentralen Lebenszweck von Frauen erklärt, die weiblichen reproduktiven Organe als Ursache für geschlechtsspezifische Eigenschaften und Charaktermerkmale bezeichnet, die als Begründung dafür angeführt wurden, dass Frauen grundsätzlich ungeeignet seien zur politischen, künstlerischen, wissenschaftlichen und beruflichen Betätigung.

Die aus den Geschlechtscharakteren abgeleiteten Rollenzuschreibungen für Männer und Frauen haben sich als ausgesprochen wirkmächtig und langlebig erwiesen. Dabei waren sie nicht unveränderlich. Anhand ausgewählter Bildbeispiele werden die Ausprägung und der Wandel von Geschlechterrollen seit dem 19. Jahrhunderts gezeigt und die Lebenswirklichkeiten, die sich daraus ergaben.

Eine ausführliche Beschreibung des Lehrprojekts finden Sie in der hier verlinkten Datei Geschlechterrollen – eine Einführung.

Beschreibung des didaktischen Konzepts

Bilder bestimmen unsere Wahrnehmung der Gegenwart und auch unser Geschichtsbild. Abbildungen können Quelle sein oder als Illustration dienen. In einer zunehmend von Bildern dominierten Öffentlichkeit werden sie auch für die Vermittlung historischer Zusammenhänge immer bedeutender. Eine virtuelle Ausstellung zu konzipieren und zu realisieren, sollte dieser wachsenden Bedeutung der Bilder Rechnung tragen. Ziel des Seminars war es, das inhaltliche Thema des Seminars – Geschlechterrollen – in der Kombination aus geeigneten Bildern und wissenschaftlich fundierten erläuternden Texten zu erarbeiten und für ein Publikum aufzubereiten. Die Größe der Gruppe bildete dabei einen limitierenden Faktor für den Umfang der Ausstellung.

Im Seminar wurden zunächst thematische und methodische Inhalte erarbeitet. Die Studierenden sollten dann ein Konzept für die Ausstellung insgesamt, die Gliederung in Abschnitte und einzelne Beiträge erarbeiten. Jede*r Studierende sollte einen Aspekt zu zwei oder drei Zeitpunkten anhand einer Bildquelle und eines kurzen erläuternden Textes vorstellen.

Eine ausführlichere Beschreibung des Seminarkonzepts finden Sie in der hier verlinkten Datei Geschlechterrollen – didaktisches Konzept des Seminars.

Produkte

Der bürgerliche Vater des 19. Jahrhunderts war Familienoberhaupt, Ernährer und oberste Autorität – häufig abwesend, aber dennoch allgegenwärtig. Zwischen patriarchaler Machtstellung, beruflicher Identifikation und erzieherischem Anspruch prägte er das bürgerliche Familienleben, insbesondere das seiner Kinder, nachhaltig.


Autorin: Lea Ganzert

Die Konzeption von Vaterschaft geriet in der Bundesrepublik seit den 1950er Jahren zunehmend in Bewegung. Gesellschaftliche und feministische Kritik, die 68er-Bewegung sowie neue psychologische Erkenntnisse stellten traditionelle Rollenbilder infrage und formten allmählich das Leitbild eines ‚neuen‘ Vaters: emotional zugewandt, erzieherisch präsent und familienorientiert. Dieser Wandel vollzog sich jedoch stets im Spannungsfeld zwischen normativem Anspruch und gelebter Praxis.


Autorin: Lea Ganzert

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich Bilderbücher im modernen Sinn zu einem eigenständigen Medium für Kinder von zwei bis acht Jahren, bei dem die Illustration gegenüber dem Text dominiert. Sie zählen seither zur grundlegenden Ausstattung des Kinderzimmers und gelten als selbstverständlicher Bestandteil der Erziehung. Die Bilderbücher des 19. Jahrhundert zeigten eine idealisierte Darstellung der bürgerlichen Lebenswelten. Hierzu gehört auch die Vorstellung festgefügter und klar unterschiedener Geschlechterrollen. Sie erscheinen typisiert und normativ und werden als natürliche Ordnung vermittelt. 


Autorin: Viola Tewelde

Die Rolle der Frau im Nationalsozialismus war hauptsächlich über die Mutterschaft definiert.  Im Nationalsozialismus galt die Familie als Kern der Gesellschaft und es waren die Frauen, die gebraucht wurden, um diesen Kern zu bewahren. Die Frau hatte die Funktion der Reproduktion, aber nur von gesellschaftlich erwünschten Kindern, um den Bestand der „arischen Rasse“ zu beschützen.


Autorin: Mariam Fiedler

Angaben zum Lehrprojekt
Weitere Beteiligte

Prof. Dr. Barbara Wolbring

Fach/Institut: Historisches Seminar

Rolle: Veranstaltungsleitung

Martha Schmitt

Fach/Institut: Historisches Seminar

Rolle: Tutor*in

Teilnehmende Studierende
Leah Mia Becker; Leila Drews; Mariam Fiedler; Lea Ganzert; Anna Lindlar; Caren Schneider; Heven Teame; Viola Tewelde; Max Wedell