Anthropologie of food – Ethnologie der Ernährung

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Beschreibung des Lehrprojekts

Experimentieren mit EthnoGraphic-Novels im Seminar „Anthropology of Food

In der kulinarischen Ethnologie wird Essen seit langem nicht nur als Nahrung, sondern als kulturelles Praxisfeld verstanden, das Einblicke in Wertsysteme, soziale Beziehungen und Machtverhältnisse ermöglicht. Die Analyse der Produktion, des Handels mit und des Konsums von Lebensmitteln erlaubt die Untersuchung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen wie Ernährungssouveränität, Klimawandel, Umweltschutz und die Einflüsse digitaler Medien. Essen ist nicht nur sinnlich erfahrbar und gesundheitsrelevant, sondern zentral für kulturelle Identität, interkulturelle Kommunikation – insbesondere in Migrations- und Diasporakontexten – sowie für ethisch-ökologische Lebensentwürfe. Es fungiert als Medium grundlegender Interaktionen mit der Welt.
In den letzten Jahren hat das Graphic Novel in der Ethnologie an Bedeutung gewonnen. Es ermöglicht eine kreative, anschauliche und zugängliche Darstellung ethnographischer Erkenntnisse und wird zunehmend als integriertes Forschungsinstrument eingesetzt. Obwohl sich Themen der kulinarischen Ethnologie durch das physisch sichtbare Medium und die sinnlich-ästhetische Komponente der Speisen für eine Darstellung in Graphic Novels gut eignen, standen die Seminar-Themen nur selten im Fokus von Graphic Novels. Dies motivierte das Seminar „Anthropology of Food“ zu einer experimentellen Auseinandersetzung mit dem Format: Studierende erstellten kurze, einseitige Graphic Novels, um ethnographisches Wissen über kulinarische Praxis kreativ und reflektiert zu vermitteln.

Beschreibung des didaktischen Konzepts

Lehr-Experimente mit EthnoGraphischen Comics – Übungen, Herausvorderungen, Ergebnisse
Das didaktische Konzept basierte auf einer kollaborativen Arbeit in Gruppen und Paaren, bei der Studierende ethnographische Inhalte nicht nur wiedergaben, sondern zentrale Argumente und Thesen visuell reduziert, umgestaltet und kommentiert darstellten. Anhand von Schritten aus der Praxis von Graphic-Novel-Autoren (Oberholzer 2023; Sopranzetti et al. 2022) und didaktischen Vorschlägen (Fiske 2024) wurden Prozesse wie Textauswahl, Storyboard-Entwicklung, Panel-Layout und Reinzeichnung durchlaufen. Nach kurzen Zeichenübungen entstanden erste Skizzen, die im Plenum diskutiert wurden. Die Studierenden reflektierten anschließend ihre Erfahrungen, Herausforderungen und neue Erkenntnisse. Die Weiterführung der Arbeit in der Hausarbeit war explizit möglich.
Besonders herausfordernd war das selbstständige Zeichnen: Viele Studierende hatten künstlerische Hemmungen, und die eigene kreative Kompetenz beeinflusste die Gestaltung. Die Nutzung von Chat-AI bot eine Alternative, stellte jedoch neue Fragen: Während die Beschreibung von Personen und Situationen in ethnographischen Texten oft unbestimmt bleibt, erfordert die visuelle Darstellung konkrete Entscheidungen darüber, wie sehr man sich an existierenden visuellen Stereotypen und Klischees orientieren möchte. Einige Studierende entwickelten zunächst detaillierte Skizzen und Texte, um diese dann als Prompt in die KI einzugeben – eine Strategie, die die Anzahl der Versuche reduzierte und zielgenaue Ergebnisse ermöglichte. Andere arbeiteten analog oder digital. Die Ergebnisse zeigten häufig eine kreative, oft überzogene und pointierte Auseinandersetzung mit den Themen. Einige entstandene Skizzen und Versuche sind in der Präsentation des Seminars (s. untenstehende Produkte) wiederzufinden.

Produkte
EthnoGraphien des Essens: Graphic Novels und die Konstruktion von Kultur durch kulinarische Praxis​

Diese Präsentation stellt den Prozess und einige Ergebnisse des Experimentierens mit dem Zeichnen von Graphic-Novel-Seiten im Seminar „Anthropology of Food“ vor.


Autor*innen: 
Maria Pietro Jarabo; 
Ina Hübner;
Feline Neuville;
Charles Plachetta;
Gianluca-Pasquale Todisco

Las Matuteras, an ethnographic comic

Under early Francoism, a rationing system was established to manage resource scarcity in the aftermath of the Civil War in Spain, a system that would stay in place up until 1952. This system functioned as a space where the imprints of totalitarian control and autarky aimed to shape both the economy and the very morality of the lower classes, targeting specifically the defeated Republican factions, the so-called “derrotados”. Focusing on female smugglers the graphic novel “Las Matuteras” by Alvaro Daniel Valle-Inclán Cabello and Caras shows how the rural lower classes bypassed the corrupt state apparatus and relied instead on underground circuits of mutual aid, reciprocity, and shared risk. They thereby actively resisting the „social death“ that the rationing system sought to inflict upon them, reclaiming their humanity and restoring their social dignity from the margins of the dictatorship.


Autor*innen: 
Alvaro Daniel Valle-Inclán Cabello;
Caras (@caras_anim on Instagram)

Angaben zum Lehrprojekt
Weitere Beteiligte

Louise Bechtold

Fach/Institut: Ethnologie

Rolle: Veranstaltungsleitung

Teilnehmende Studierende
Leon Bonner; Alvaro Valle-Inclar; Feline Neuville; Charles Plachetta; Maria Pietro-Jarabo; Gianluca-Pasquale Todisco; Ina Hübner; Florian Helmich