Empirische Forschung in religionsbezogenen Praxisfeldern

Beschreibung des Lehrprojekts

Wie lässt sich gegenwärtige religiöse Praxis greifen, beschreiben, erforschen, verstehen und religionswissenschaftlich oder theologisch reflektieren? Wie verhält sich religiöse Praxis und Kultur?
Was ist gelebte Religion und wie kann sie untersucht werden? Welche Methoden sind dabei hilfreich? Was sind Merkmale der Ethnografie und warum ist die Grounded Theory nicht nur eine Auswertungsmethode, sondern ein Forschungsstil? Diesen methodischen und methodologischen Fragen sollte in diesem praxisfeldbezogenen Seminar nicht nur theoretisch nachgegangen werden, sondern Studierende begaben sich auch selbst forschend in die konkrete Praxis. Die Veranstaltung bestand aus der Kombination und Verzahnung der theoretischen Erarbeitung von Methodenkompetenzen zur empirischen Religionsforschung und der konkreten Anwendung dieser Methoden in einer selbstständigen Erkundung innerhalb eines kirchlichen, gemeindlichen oder religionsbezogenen Praxisfeldes.

Beschreibung des didaktischen Konzepts

Im Sinne des Forschenden Lernens ging die Lehrveranstaltung Fragen nach Methoden, Wissenschaftlichkeit, Theorie-Praxis-Zusammenhängen und empirischen Religionsphänomenen explorativ nach. Studierende haben in einem selbstgewählten Feld, empirische Religionsforschung erprobt. Die Veranstaltung bestand daher aus der Verknüpfung der theoretischen Erarbeitung von Methodenkompetenzen zur empirischen Religionsforschung und der konkreten Anwendung dieser Methoden in einer selbstständigen Erkundung innerhalb eines kirchlichen, gemeindlichen oder religionsbezogenen Praxisfeldes. Dazu erfolgte eine Einführung in allgemeine Gütekriterien empirischer Religionsforschung, eine Unterscheidung qualitativer und quantitativer Methoden, die Vermittlung von Methoden der (Auto-)Ethnographie sowie der Grundlagen der Grounded Theorie als Auswertungsmethode. Durch den eigenen Forschungsprozess erlangten die Studierenden darüber hinaus Einblicke in die Arbeitsplanung eines Forschungsprojektes. Ziel war es, dass die Studierenden selbstständig ein Praxisfeld abstecken, eine Arbeitsfrage oder -hypothese formulieren und dazu ein eigenes Forschungsprojekt durchführen. Begleitet wurde die Veranstaltung von einem Tutorium. Damit wurde ein ‚Peer to Peer‘- Austausch ermöglicht. Die empirische Forschung der Studierenden konnte im Seminar durch eine mediale Aufbereitung ihrer Ergebnisse ergänzt werden, welche die Relevanz zielgruppengerechter Wissenschaftskommunikation betont und so Bezüge zu gesamtgesellschaftlicher Verantwortung der Wissenschaft eröffnet. Die mediale Aufbereitung der Forschungsergebnisse eröffnete für die Studierenden einen besonderen Mehrwert, weil sie die theoretischen Grundlagen des Seminars nicht nur unmittelbar mit praktischen Arbeitsformen, sondern auch deren Präsentation verbanden. Die Konzeption eines Posters oder einer digitalen Präsentation forderte dazu auf, theoretische Modelle, methodische Entscheidungen und empirisches Material auch argumentativ zu verteidigen. Dadurch entstand ein Raum, in dem abstrakte Begriffe und konkrete Forschungsschritte nicht nebeneinanderstanden, sondern einander erläuterten und schärften. Zugleich motivierte die Sichtbarkeit der eigenen Arbeit: Die Präsentation im projektübergreifenden Rahmen machte deutlich, dass empirische Forschung nicht nur ein individueller Lernprozess ist, sondern in gemeinschaftliche wissenschaftliche Kommunikationen eingebettet wird. Studierende erlebten, wie ihre Erkenntnisse Resonanz fanden, wie andere Gruppen Anschlussfragen formulierten und wie sich aus der wechselseitigen Wahrnehmung fachliche Vernetzung ergab. Durch diese soziale Dimension wird Forschung als ein Prozess verstanden, der sowohl eigenständiges Arbeiten verlangt als auch kollektive Dynamiken freisetzt, die zu weiterer Auseinandersetzung anregen.

Produkte
EthnoGraphien des Essens: Graphic Novels und die Konstruktion von Kultur durch kulinarische Praxis​

Diese Präsentation stellt den Prozess und einige Ergebnisse des Experimentierens mit dem Zeichnen von Graphic-Novel-Seiten im Seminar „Anthropology of Food“ vor.


Autor*innen: 
Maria Pietro Jarabo; 
Ina Hübner;
Feline Neuville;
Charles Plachetta;
Gianluca-Pasquale Todisco

Las Matuteras, an ethnographic comic

Under early Francoism, a rationing system was established to manage resource scarcity in the aftermath of the Civil War in Spain, a system that would stay in place up until 1952. This system functioned as a space where the imprints of totalitarian control and autarky aimed to shape both the economy and the very morality of the lower classes, targeting specifically the defeated Republican factions, the so-called “derrotados”. Focusing on female smugglers the graphic novel “Las Matuteras” by Alvaro Daniel Valle-Inclán Cabello and Caras shows how the rural lower classes bypassed the corrupt state apparatus and relied instead on underground circuits of mutual aid, reciprocity, and shared risk. They thereby actively resisting the „social death“ that the rationing system sought to inflict upon them, reclaiming their humanity and restoring their social dignity from the margins of the dictatorship.


Autor*innen: 
Alvaro Daniel Valle-Inclán Cabello;
Caras (@caras_anim on Instagram)

Angaben zum Lehrprojekt
Weitere Beteiligte

Alexandra Jugelt

Fach/Institut: Religionswissenschaft

Rolle: Veranstaltungsleitung

Silvie Pölzer

Fach/Institut: Praktische Theologie

Rolle: Veranstaltungsleitung

Robin Müller

Fach/Institut: Religionswissenschaft

Rolle: Tutor*in

Teilnehmende Studierende