Im Rahmen des Seminars „Akteure und Institutionen auf dem Buchmarkt: berufspraktisches Seminar“ im Wintersemester 2024-25 (Master Internationale Literaturen und Buchmärkte) kam gemeinsam mit den Studierenden der Plan auf, ein Podcast-Format über den Literaturbetrieb zu etablieren. Es soll bereits existierende Podcasts (wie z.B. den Podcast „Die Bücher unserer Zukunft“ der beiden Verlegerinnen Annika Bach und Anne Friebel oder den Podcast des Börsenvereins des deutschen Buchhandels) ergänzen. Dabei soll den aktuellen und künftigen Studierenden des Masters, aber auch des Bachelor Romanistik und der Lehrämter, die Möglichkeit gegeben werden, ihre Projekte und Forschungen zum Literaturbetrieb, die sie im Rahmen ihrer Master-Seminare und weiterer Seminare durchgeführt haben, einer größeren Öffentlichkeit und interessierten potentiellen künftigen Studierenden des Masters zu präsentieren. Eine erste Folge des Podcasts wurde bereits zum Thema „Verlage gegen rechts“ von Lilly Fuß und Anouk Sonntag auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse produziert und ist inzwischen, ebenso wie fünf weitere Episoden, veröffentlicht.
Zum Konzept des Podcasts, das im Rahmen des Seminars gemeinsam von Lehrenden und Studierenden im Sinne der Idee des forschenden Lehrens erarbeitet wurde: Der Titel lautet: „Hinter den Seiten: Nachgefragt im Literaturbetrieb (Podcast des Master Internationale Literaturen und Buchmärkte)“. Auf ein Intro/Outro (das im Rahmen des Workshops, von dem hier die Rede ist, erstellt wurde) folgt eine Anmoderation mit dem Thema der Episode seeitens der zwischen den Episoden wechselnden Podcaster*innen mit einer Vorstellung des interviewten Gastes. Die Moderator*innen sollen ihre Motivation für das Thema deutlich machen und in einer ersten inhaltlichen Sektion mit der/dem Interviewten diskutieren. Darauf folgt eine erste Rubrik „Steckbrief“ mit festgelegten Fragen nach Art von: „Was ist die größte Herausforderung für Deine Arbeit in den vergangenen Jahren?“, „Rückschau auf die Arbeit des letzten Jahres: Was war dein schönstes Projekt?“, „Gibt es interessante Momente auf einer Buchmesse oder einer literaturvermittelnden Veranstaltung, an die du dich besonders gut erinnerst?“, „Hast du eine Leseempfehlung?“.
Darauf folgt eine zweite inhaltliche Sektion, gefolgt von einer zweiten Rubrik mit dem Titel „Kein Geschwafel“, in der die Interviewten auf Entweder/Oder-Fragen antworten sollen. Hier können die Moderator*innen individuelle Fragen stellen wie z.B. „E-Book oder gedrucktes Buch?“, „Bibliothek oder Bücherkauf?“. „Lesen in Originalsprache oder deutscher Übersetzung?“, „ Roman oder Ratgeber?“, „Hardcover/Gebundenes Buch oder Taschenbuch?“, „Mit oder ohne Farbschnitt?“, „Roman-Reihe oder Einzelband?“, „Protagonist oder Protagonistin?“ etc.
Darauf folgt eine dritte inhaltliche Sektion zum Thema der Episode und eine dritte und letzte Rubrik mit dem Titel „Halbzeitansprache: Tipps an Newcomer im Literaturbetrieb“, in der die interviewte/n Person/en auf interesssante Neuentwicklungen im Berufsfeld des Buchbetriebs aufmerksam machen kann/können. Teaser-Fragen können sein: „Was sind Berufsbilder im Literaturbetrieb, die man zunächst nicht auf dem Schirm hat? Wie schafft man es, „einen Fuß in die Tür zu bekommen“? Welche Skills würdest du als unerlässlich für die Arbeit im Literaturbetrieb bezeichnen? Welchen Tipp hättest Du selbst gerne bekommen, als Du Newcomer warst?“
Schließlich folgt eine Abmoderation mit einem festen Textbaustein.
Die Episoden sind jeweils ca. 25-30 Minuten lang.
Das von ProFil geförderte Lehrprojekt umfasste einen zweitägigen Workshop mit der Journalistin und Podcasterin Christina Gehrlein im November 2025 und Januar 2026. Sie trainierte die Gruppe in Bezug auf die wichtigsten Elemente des beliebten Audio-Formats. Sie leitete anhand von Beispielen und eigenen Erfahrungen bei der Erstellung von Podcasts dazu an, ein studienrelevantes Thema eigenständig zu recherchieren, zu strukturieren und in einer hörergerechten, inhaltlich fundierten und formal stimmigen Audioaufnahme zu präsentieren. Zentrale Merkmale sind inhaltliche Tiefe, zielgruppengerechte Aufbereitung, die Umsetzung wichtiger formaler Kriterien (wie z.B. eine angemessene Länge, Quellenangaben im Begleittext oder im Audio selbst, wenn möglich der Verzicht auf Vorabsprachen mit den Interviewten), technische Umsetzung (gute Tonqualität, saubere Aufnahme, Schneiden in Audacity), Reflexion (schriftliches Konzept über das Vorgehen und den Lernprozess). Es wurde ausführlich über Interviewtechniken und über Formen der Kontaktaufnahme mit den Interviewten gesprochen. Die technischen Grundlagen der Aufnahmetechnik wurden präsentiert und die Teilnehmenden in Bezug auf die technische Umsetzung ihrer Projekte beraten. Gemeinsam werden die für den Relaunch des Podcast benötigten Jingles erstellt.
Im Anschluss an den Workshop produzierten die teilnehmenden Studierenden zwischen Januar 2026 und März 2026 jeweils eine eigene Episode für den Podcast, die ab Mai 2026 in 3-Wochen-Schritten publizierte wird (zunächst über Spotify). Es liegen inzwischen sechs Podcast-Episoden vor. Den Anfang machte die im Mai 2026 veröffentlichte und von Sophia Höpfner erstellte Episode zu „Literaturadaptationen“, in der die Studentin des Master Internationale Literaturen und Buchmärkte mit der Autorin Eva Dax und der Illustratorin Sabine Dully spricht. Gemeinsam veröffentlichen beide als das Duo Dully&Dax Kinderbücher und Kindermedien. In dieser Folge geht es um das Kinderbuch „Jeppe&Oswald“ von Dully&Dax und dessen Adaption als Konsolenspiel, das gemeinsam mit dem Entwicklerstudio Redox Interactive entwickelt wurde.
Siehe: https://open.spotify.com/episode/5oLCZVjY86UbXCnY9YcJ7w
Ebenfalls bereits publiziert ist auch die Episode, die Oriol Sosa auf der Grundlage eines Interviews mit der Dozentin Karen Genschow über Formen der Reflektion des Buchbetriebs in der Gegenwartsliteratur produziert hat.
Auf dem Studierendenkongress soll die jüngste Episode gelauncht werden.
Der Podcast „Hinter den Seiten“ verfolgt das Ziel, studentische Forschungs- und Praxisprojekte sichtbar zu machen und zugleich Einblicke in aktuelle Entwicklungen des Literaturbetriebs zu vermitteln. Er richtet sich an Studierende des Masters Internationale Literaturen und Buchmärkte, des Bachelorstudiengangs Romanistik, der Lehramtsstudiengänge sowie an eine breitere literatur- und kulturinteressierte Öffentlichkeit. Darüber hinaus dient das Format der Außendarstellung des Studiengangs und soll potentiellen künftigen Studierenden einen praxisnahen Einblick in Themenfelder und Berufsperspektiven des Literaturbetriebs ermöglichen.
Das Projekt verbindet wissenschaftliche Reflexion, berufspraktische Orientierung und mediale Vermittlungskompetenz. Die Studierenden entwickeln eigenständig Themen, recherchieren Inhalte, führen Interviews mit Akteur*innen des Literaturbetriebs und bereiten diese in einem professionellen Audioformat auf.
Das Projekt basiert auf den Prinzipien des forschenden Lernens, des projektorientierten Arbeitens und der kollaborativen Wissensproduktion. Die Studierenden werden nicht ausschließlich als Rezipientinnen wissenschaftlicher Inhalte verstanden, sondern als aktiv gestaltende Produzentinnen von Wissen und Öffentlichkeit.
Im Mittelpunkt steht die Verbindung von fachwissenschaftlicher Auseinandersetzung mit praxisnaher Medienproduktion. Die Studierenden erwerben Kompetenzen in den Bereichen:
• eigenständige Recherche und Themenentwicklung,
• wissenschaftlich fundierte Aufbereitung komplexer Inhalte,
• zielgruppenorientierte Wissenschaftskommunikation,
• Interviewführung und Gesprächsmoderation,
• redaktionelle Planung und Teamarbeit,
• technische Umsetzung von Audioformaten,
• Reflexion medialer Vermittlungsprozesse.
Durch die Veröffentlichung der Episoden auf Spotify entsteht ein authentischer Anwendungskontext mit realer Öffentlichkeit. Dies erhöht die Motivation der Studierenden und stärkt ihre Fähigkeit, wissenschaftliche Inhalte adressat*innengerecht zu kommunizieren.
Das Projekt verbindet verschiedene Lehr- und Lernformen:
• seminaristische Diskussion,
• projektorientiertes Arbeiten,
• kollaborative Gruppenarbeit,
• selbstständige Recherche,
• praxisorientierte Medienproduktion,
• Peer-Feedback und redaktionelle Diskussion,
• reflexive Schreibaufgaben.
Die Studierenden arbeiten eigenverantwortlich in Produktionsteams und übernehmen unterschiedliche Rollen wie Redaktion, Moderation, Technik, Schnitt oder Öffentlichkeitsarbeit.
Begleitend zur Podcast-Produktion erstellen die Studierenden schriftliche Konzepte und Reflexionen über ihren Arbeitsprozess, ihre methodischen Entscheidungen sowie die Herausforderungen der medialen Umsetzung.
Das Projekt stärkt die Sichtbarkeit studentischer Forschung und fördert den Transfer universitärer Inhalte in öffentliche Diskurse.
Der bereits eingerichtete Spotify-Kanal bildet die Grundlage für eine nachhaltige Weiterentwicklung des Projekts über einzelne Seminare hinaus. Langfristig soll ein kontinuierlich wachsendes Audioarchiv entstehen, das studentische Perspektiven auf den Literaturbetrieb dokumentiert und zugleich als innovatives Instrument der Wissenschaftskommunikation und Studiengangspräsentation dient.
PD Dr. Frank Estelmann
Fach/Institut: Institut für Romanische Sprachen und Literaturen
Rolle: Veranstaltungsleitung
Dr. Karen Genschow
Fach/Institut: Institut für Romanische Sprachen und Literaturen
Rolle: Veranstaltungsleitung
Lily Fuß
Fach/Institut: Institut für Romanische Sprachen und Literaturen
Rolle: Student*in
Anouk Sonntag
Fach/Institut: Institut für Romanische Sprachen und Literaturen
Rolle: Student*in